Es ist himmelschreiend, dass man in dieser Welt durchaus Geld haben oder irgend eine nützliche Arbeit versteh'n muss, um auszukommen. (Adolph Freiherr von Knigge, Die Reise nach Braunschweig)

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Aktuell

22. Mai 2006
Das war's. Das Buch Die Hartz-Krieger ist vor mittlerweile einem Jahr erschienen, dennoch ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland noch nicht besiegt. Meine Mission ist gescheitert. Ich gehe jetzt in den Keller und hänge mich auf.

(eine halbe Stunde später)

Da bin ich wieder. Ich habe leider keinen Strick - zu teuer. Also werde ich wohl oder übel leben bleiben müssen. Auch als freier Schriftsteller ist man wirtschaftlichen Zwängen unterworfen ... Wenn jedoch Sie (ja, Sie!) ein Buch kaufen würden, könnte ich mir in einem halben Jahr (wenn / falls die Tantiemen endlich ausbezahlt werden) zwei Meter Strick leisten. Hallo, Herr Finanzminister, Sie möchten ein Buch kaufen? Das ist nett, danke.

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27. April 2006
Auswandern bei Arbeitslosigkeit?

Im 20. Jahrhundert wanderten etwa 5,5 Mio Deutsche nach USA aus. Dies entspricht ziemlich genau der Zahl der Arbeitslosen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Das muss etwas bedeuten.

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24. April 2006
Das Problem ist der Arbeitslose

Die ganze Industrie aus privaten Arbeitsvermittlern, Zeitarbeitsfirmen, Seminaranbietern, Networking-Gurus, Buchautoren (ja, auch ich bin nicht ohne Fehl und Tadel, werde aber wohl kein zweites Buch mehr zum Thema schreiben) usw., die sich mittlerweile rund um das Problem der Arbeitslosigkeit aufgebaut hat, versucht natürlich gar nicht, das Problem zu lösen und Menschen gute Stellen zu verschaffen – sie würde sich sonst selbst überflüssig machen.

(Aus dem gleichen Grund wird es nie eine Armee auf der Welt geben, die sich bis in die letzte Konsequenz für Frieden einsetzt.)

Damit das nicht zu offensichtlich wird, greift man zu folgendem Trick: Man bearbeitet den Arbeitslosen so lange, bis er sich selbst als das Problem entlarvt. Und kann ihm danach noch leichter Dienstleistungen und Waren rund um das fröhliche Halali auf die (nicht vorhandenen) Jobs anbieten.

Ein auch gesamtgesellschaftlich sinnvolles Vorgehen: Denn nur, wenn der Arbeitslose durch die Inanspruchnahme all der Leistungen (auch von Therapeuten) die Wirtschaft wieder ankurbelt, hat er langfristig Aussicht auf einen Job. Na ja, nicht direkt er, aber doch ein Nordchinese oder Südmarokkaner oder anderer Billiglohnarbeiter.

Das ist auch so eine Sache mit dem Drang nach immer billigerer Produktion. Wenn das in dem Tempo weitergeht, werden die Waren etwa im Jahre 2016 allesamt kostenlos produziert, was den Zusammenbruch der multinationalen Konzerne und bessere Zeiten mit sich bringen wird.

He, die zehn Jahre sitzen Sie doch auch noch ab, auf einer Backe, bei Ihrer Arbeitsagentur.

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20. April 2006
Erfolg versprechende Alternativen zur Bewerbung

Ein Jahr lang bewarb sich die Enthüllungsreporterin Barbara Ehrenreich under cover kreuz und quer und erfolglos durch die USA und machte so ziemlich jeden Mist an Seminaren und Persönlichkeitstests mit, las so ziemlich jedes Buch, das Jobsuchenden aufgetischt wird. Bei einem Vorstellungsgespräch wurde ihr ein netter Vorschlag unterbreitet: Anstatt sich bei einer Firma zu bewerben, solle sie lieber deren Aktien kaufen, um dann bei der Jahreshauptversammlung mit den Bossen anzubandeln.

Das ist doch wenigstens mal eine konstruktive Idee! Überhaupt sollte in dieser Richtung viel, viel mehr getan werden. Nicht nur käme das den Arbeitslosen zugute, zudem würde sich Deutschland bald über eine höhere Geburtenrate freuen dürfen. Tatsächlich sollen Bewerbungsgespräche im Bundesfamilienministerium künftig ähnlich ablaufen wie das von Frau Ehrenreich geschilderte, erst einmal nur als Pilotstudie um danach, im Erfolgsfall, auf den gesamten öffentlichen Dienst ausgedehnt zu werden. Die Privatwirtschaft wird sich ohne Zweifel anschließen.

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31. März 2006
Frühjährlicher Ausfall der Belebung

Gestern bei Spiegel Online zu lesen, Top-Head: 'ARBEITSLOSENZAHLEN'
Frühjahrsbelebung fällt bescheiden aus

Ich bin sicher, viele haben diese Überschrift falsch verstanden. Das war natürlich Absicht der Redaktion. Von einer Frühjahrsbelebung kann keineswegs die Rede sein, nicht einmal von einer bescheidenen. So ist die Überschrift richtig zu verstehen: 'Leider muss die Frühjahrsbelebung, in aller Bescheidenheit, auch dieses Jahr ausfallen.'

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29. März 2006
Das Englisch ist des Bäckers Lust

Sie suchen einen Solutions Integrator für Dymamic Food Processing (m/w) mit Erfahrung in Flour Blending Machinery Operating und umfassendem Know-how in Raisin Cake Cooking. Ich (m) erfülle die genannten Voraussetzungen (...) Mit einem Master von der Academy of Bakery Engineering (...) Darüber hinaus verfüge ich über Strong Hands, Loud Voice und Heat Resistibility.

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27. März 2006
Liebe kann man nicht erzwingen

'Was soll ich denn machen?', klagt der arbeitsunwillige Erwerbslose und Ex-Fräser Siegfried Hagen aus Tronje. 'Stellen Sie sich vor, man zwänge sie, eine Frau zu heiraten, die Sie nicht lieben. So ist es bei mir mit der Arbeit. Liebe kann man nicht erzwingen. Das macht doch auch meinen Arbeitgeber nicht froh, wenn ich mich zwingen muss.'

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18. Januar 2006
Ab heute bietet diese Seite endlich auch Stellenangebote! Das folgende habe ich heute frisch per Spam reinbekommen:

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»Sehr geehrter zukünftiger Mitarbeiter!

StepManagement N.V. - ist eine führende Firma auf internationales Gesetz und Geschaftsverfahren. Sie sucht nach den verantwortungsvollen Personen im Bereich der Zustellung, Bedienung, Kundenservice und Bankoperationen.

Zur Zeit haben wir folgende Arbeitsstellen frei: Manager für Transaktionen.
Sie werden die Überweisungen für unsere Gesellschaft bekommem. Sie müssen eine Bankstelle in der Nähe haben, damit Sie jederzeit die Möglichkeit hätten im Laufe von einigen Stunden, die Gelder vom Konto abzuheben. Sie müssen ein Privat-, Arbeitstelefon oder Handy haben, damit wir mit Ihnen unverzüglich den Kontakt aufnehmen können.

Anforderungen:

* Die Möglichkeit haben, Ihr E-mail mehrmals am Tage zu kontrollieren.
* Die Möglichkeit haben, unverzüglich die Briefe zu beantworten.
* Die Möglichkeit haben, bei der Gelegenheit die Überstunden zu machen.
* Verantwortlich und arbeitsam sein.

Wenn Sie für das Amt eignen, so bitten wir Sie hier zu registrieren: Unsere Freien Stellen

Die Registrierung ist gratis!«

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17. Januar 2006
Tristesse for less: Endlich ein eigener TV-Sender für Arbeitslose

Toll: Endlich gibt es einen eigenen Fernsehsender für Arbeitslose. (Wer sagt da, die anderen Fernsehsender machten ihr Programm wohl auch vor allem für Arbeitslose?) Der Sender jedenfalls heißt JobTV24 und wird von Spiegel Online als 'Viva für Arbeitslose' bezeichnet. Überhaupt scheint der Sender auf geschickte Weise uninteressante Beiträge mit unbrauchbaren Informationen wenig unterhaltsam zu präsentieren – und findet sich somit in der Tradition der etablierten TV-Anstalten.

Ich hätte mich gerne selbst davon überzeugt, ob die Vorwürfe von Spiegel Online gerechtfertigt sind, aber ich kann den Sender leider nicht empfangen. Aber wozu gibt es das Internet? (Ja, wozu eigentlich?) Der Sender hat natürlich eine Website, auf der er den jobsuchenden Surfer gleich in die richtige Stimmung bringt, indem er ihm sein Fernsehstudio zeigt, das auf der nach oben offenen Tristesse-Skala spielend leicht ein Fin-de-Siècle-Schlachthaus, eine Munitionsfabrik mit Kinderarbeitern und das Wohnzimmer meiner Großtante Ada, Gott hab sie selig, überholt. Selten wurde die Verzweiflung des Arbeitslosen architektonisch so treffend wiedergegeben. Respekt!

Schauen Sie doch auch mal vorbei!

Wie auch immer, je uninteressanter unsere TV-Programme werden, desto mehr Menschen werden bereit sein, selbst unter den schlechtesten Bedingungen zu arbeiten. So betrachtet gewinnt die abnehmende Qualität der Öffentlich-Rechtlichen eine Dimension, für die sich das Zahlen von Gebühren durchaus lohnen dürfte: ARD und ZDF arbeiten daran, den Arbeitslosen die Arbeitslosigkeit zu vermiesen. Ein hehres Ziel, das unser aller Unterstützung verdient. Da kommt JobTV24 zur Unterstützung wie gerufen.

Denn wie schon der Stressforscher Thomas H. Ecktisch wusste: Am besten abschalten kann man noch immer vor dem Fernseher.

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28. Dezember 2005
Eine neue Studie hat jetzt bewiesen: Die Hartz-Reformen (I bis III, IV ist noch zu erledigen ...) waren gar nicht so toll. Schade, eigentlich.
Wenigstens nimmt die Opposition und Ex-Opposition ihre Aufgabe wahr: Sie sagt uns, dass sie es ja schon immer besser wussten. Danke!

Wie man es und vieles andere besser machen kann, steht in dem auf dieser Website beworbenen Buch.

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2. Dezember 2005
Wie konnte mir das nur entgehen?

Sigrid Ormeloh, Nicole Schlier:
Hartz IV Kochbuch
Ein Kochbuch für harte Zeiten

Mehr dazu bei http://www.hartz-iv-kochbuch.de

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15. November 2005
Nach einer Untersuchung einer Düsseldorfer Detektei, die auf das Entdecken von betrügerischen Bewerbern spezialisiert ist, wurde in 1.500 von 5.000 Bewerbungen geschummelt und gelogen, sprich: 30% aller Bewerbungen enthalten Unwahres.

Wie schreibt Thomas Röbke in ZEITCHANCEN vom Oktober 2005 dazu so schön: 'Ist bei der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht jeder selbst schuld, der nicht auch illegale Möglichkeiten ausnutzt, um den erhofften Arbeitsplatz zu bekommen?' ('Felix Krull bewirbt sich')

Wir meinen: Ja. Denn schließlich muss man auch im Berufsalltag übertreiben, beschönigen, notlügen, beschwichtigen, taktieren, hinhalten.

Oft siegt Frechheit. Warum bei den Referenzen nicht gleich den Papst angeben? Oder einen Heiligen (wie bereits in den Hartz-Kriegern vorgeschlagen)? Nett auch die Idee, sein Geld als Bewerbungstourist zu verdienen. Einfach hinfahren und die Fahrtkosten kassieren.

Seien Sie kreativ! Und haben Sie keine moralischen Bedenken. Ihr Chef in spe weiß in der Regel sowieso nicht, was das ist.

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28. Oktober 2005
Wie passend: In der Uni-Bibliothek Halle steht das Buch DIE HARTZ-KRIEGER in der Sachgruppe 360 Soziale Probleme, Sozialarbeit (05,N20,0656 XA-DE-BY) An alle Haller: Buch kaufen, nicht ausleihen! Sie möchten doch nicht, dass sich auch der Autor in die Sachgruppe 'Soziale Probleme' einordnen muss.

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Der Skandal um Peter Hartz macht mich sprachlos. Wie kann er das diesem Buch antun?

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12. Juli

»Sozial ist, was Arbeit schafft.« (Aus dem neuen Wahlprogramm der CDU/CSU).

Recht so, ihr Merkelianer! Es wird Zeit, dass endlich auch die rührige Tätigkeit von Kriminellen, Schleusern und Schwarzarbeitern gewürdigt wird. Schließlich verdienen in Deutschland mehrere hunderttausend Menschen ihre Brötchen und tiefergelegten Mercedes-Cabrios mit illegaler Arbeit. Aber da auch solche Arbeit die Wirtschaft ankurbelt, ist sie mit Fug und Recht als »sozial« zu bezeichnen. Mit anderen Worten: Der Zweck heiligt die Mittel. Aus welchem Wahlprogramm stammt der Spruch denn noch mal?

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12. Juli

Wie kann er uns das antun? Peter Hartz, Namenspate und Ideengeber der unbeliebtesten Reform seit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im alten Rom, ist zurückgetreten. Was wird jetzt aus den Hartz-Kriegern? Sind sie auf einmal nur noch -Krieger? Oder XXXXX-Krieger? Die Hilflosigkeit und Verwirrung ist groß. Also alles beim alten.

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24. Mai 2005

Nachdem es uns von der Bundesagentur untersagt wurde, das Logo der Agentur, selbst in abgewandelter Form, für das Buchcover zu verwenden, wird jetzt die Erklärung für dieses Verbot indirekt nachgeliefert: Das neue Logo sieht genau aus wie das alte. Der Unterschied: statt rot auf weiß ist es jetzt weiß auf rot, und eine unbedeutende Ecke des A wurde leicht abgerundet. Da will man natürlich das alte Logo schnell loswerden, damit keiner merkt, wie winzig der Unterschied zwischen neuem und altem Logo ist.

Ach ja: die Aktion wird natürlich teurer als die veranschlagten 100.000 Euro, da das ganze nicht nur entwickelt, sondern auch umgesetzt werden muss: bei Aufstellern, Briefpapier, Schildern, Internet und und und.

Die ganze Maßnahme ist so grob sinnlos, dass man Absicht unterstellen muss: das Volk soll bewusst aufgewiegelt werden, vermutlich von einem Staatssekretär oder einem anderen hohen Beamten, der die Regierung stürzen möchte. Das ist nun nicht mehr nötig, die Regierung stürzt sich selbst: Neuwahlen im Herbst. Als ob man da was wirklich Neues wählen könnte als alten Wein in alten Schläuchen.

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22. Mai 2005

Endlich: Die Bundesagentur plant den gläsernen Arbeitslosen (Spiegel Online, 22.5.05). Es sollen sehr persönliche Daten erhoben werden, etwa zum Freundeskreis, Arztbesuchen, Vereinszugehörigkeit und der Wohnsituation. Natürlich, beschwichtigt man in Nürnberg sofort, solle das nur bei einigen Problemfällen getan werden, zu deren Besten. Wer aber entscheidet, was das Beste ist? Ganz sicher nicht der Arbeitslose. Höre ich da jemanden etwas von Entmündigung sagen?

Mich freut das natürlich, weil damit eine weitere Frage des Buches Die Hartz-Krieger in die Realität überführt wird: »Gilt für Arbeitslose das Grundgesetz? Die Genfer Konvention? Die Anschnallpflicht?«

PS: Wer den gläsernen Arbeitslosen fordert, sollte sich bewusst sein, wie leicht Glas bricht.

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19. Mai 2005

Hartz IV bewegt etwas. So mussten für die Erstellung einer Software zur Berechnung und Auszahlung des ALG II weitere Beraterleistungen in Höhe von 6.300 Personaltagen (laut Spiegel Online vom 18.5.) eingekauft werden, was umgerechnet 30 Personen ein Jahr lang Lohn und Brot bringt. Das dürfte ein größerer Erfolg sein, als ihn die bisherigen direkten Maßnahmen erbringen konnten.

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19. Mai 2005

Fördern und fordern, so lautet das Konzept der Hartz-Gesetze. Vor allem der Betrug mit Vermittlungsgutscheinen wird vehement gefördert. Je nachdem, wen Sie fragen, erhalten Sie eine Betrugsquote (d.h. der Gutschein wird vom Vermittler eingelöst, obwohl der Arbeitnehmer sich die Stelle selbst vermittelt hat) zwischen 20 und 34%, sprich: jeder dritte Fall ist ein Betrugsfall. Bleibt nur noch zu hoffen, dass die auf diese Weise reich gewordenen Job-Vermittler die Binnennachfrage kräftig ankurbeln. Auf die Idee, den bedürftigen Arbeitslosen dieses Geld direkt zu geben, ist man bei der Bundesagentur leider nicht gekommen.

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28. April 2005

Hessens Justizminister Christean Wagner hatte vor über einem Jahr eine gute Idee, und jetzt regen sich alle darüber auf. Laut BILD sei folgende Presseerklärung mit der explosiven Meldung am 10. 3. 2005 auf der Website des Hessischen Justizministeriums zu finden gewesen: «Die elektronische Fußfessel bietet damit auch Langzeitarbeitslosen und therapierten Suchtkranken die Chance, zu einem geregelten Tagesablauf zurückzukehren und in ein Arbeitsverhältnis vermittelt zu werden.»

Wieso wurde das jetzt erst angeprangert? Ist denn schon Saure-Gurken-Zeit? Tatsächlich stammt die Erklärung bereits vom 22. März 2004 und geht so weiter: «Viele Probanden haben es verlernt, nach der Uhr zu leben, und gefährden damit gerade auch ihren Arbeitsplatz oder ihre Ausbildungsstelle. Durch die Überwachung mit der elektronischen Fußfessel kann eine wichtige Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden.»

Genau, Hilfe zur Selbsthilfe, darauf bauen die Hartz-Gesetze.

Für einen Satiriker ist es schön und schmerzlich zugleich, wenn er von der Wirklichkeit überholt wird. Na ja, nicht gerade überholt ... In DIE HARTZ-KRIEGER finden Sie noch weit sinnreichere Vorschläge.

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28. April 2005

Die Zahl der Arbeitslosen sinkt unter die 5-Millionen-Marke. Wirtschaftsminister Clement sagt:
»Wir werden ab jetzt nie mehr die fünf Millionen überschreiten. Da können sie Gift drauf nehmen.«
Für den Arbeitsmarkt ist das keine Entwarnung. Die wäre nur dann gegeben, wenn Clement gesagt hätte: 'Da werde ich Gift drauf nehmen.'

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21. April 2005

Weil DIE HARTZ-KRIEGER die wahre Bedeutung des uns allen vertrauten (und einigen von uns sehr vertrauten) Logos der Arbeitsagentur (das rote A im Kreis) enthüllen, hat sich die Bundesagentur entschlossen, das Logo zu ändern. Dies gab Spiegel Online heute bekannt:

»Bundesagentur lässt neues A entwerfen.«

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6. April 2005

Auch DIE ZEIT hat bereits einige Vorschläge aus DIE HARTZ-KRIEGER übernommen, wie das folgende Zitat belegt. Das Buch ist bereits vor Erscheinen ein Erfolg.

»Auch wer arbeitslos ist oder von einer Entlassungswelle fortgespült wurde, darf die Natur verantwortlich machen. Vielleicht war er von Geburt an kein Siegertyp? Womöglich sendet er beim Vorstellungsgespräch die falschen Signale aus? Und passt sein Genprofil überhaupt zum Anforderungsmuster des Unternehmens?«

(Thomas Assheuer, Hartz IV in der Synapse, DIE ZEIT Nr. 14, 2005)

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5. April 2005

Deutsche Unternehmen können bei der Verlagerung Ihres Standorts ins Ausland die Kosten voll steuerlich geltend machen (für die Planung der Investition, für den Transfer der Arbeitsplätze, sowie für die Finanzierung und Verwaltung der Unternehmenstochter).

Die EU - und damit auch Deutschland - zahlt Zuschüsse für Firmenansiedlungen in den Beitrittsländern. Dank auch der deutschen Investitionen locken die osteuropäischen Länder so deutsche Firmen mit besonders niedrigen Steuersätzen in ihr Land.

»Wir verarmen, wenn wir asiatisch werden wollen», schimpft Porsche-Chef Wiedeking. Seiner Meinung nach sind chinesische Lohnkosten bei uns volkswirtschaftlicher Unsinn. »Mit welchem Geld solle dann der deutsche Arbeitnehmer konsumieren? Diese ganze Geiz-ist-geil-Mentalität ist doch das eigentliche Problem.«

(Quelle: Spiegel Online, 5. April 2005)

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4. April 2005

Bereits vor der Veröffentlichung der HARTZ-KRIEGER werden erste der im Buch beschriebenen Maßnahmen in die Praxis umgesetzt. So meldete Spiegel Online am 2. April »Langzeitarbeitslose sollen auch Spargel ernten - Die Bundesagentur für Arbeit will Empfänger des Arbeitslosengeldes II künftig auch in Jobs vermitteln, die bisher ausschließlich Ausländer übernommen haben. Dazu zählen das Spargelstechen und die Gurkenernte.«

Dies ist nur einer der vielen Vorschläge aus dem Kapitel Hochsaison, das ganze Jahr. Seien Sie überzeugt, dass weitere Umsetzungen nicht lange auf sich warten lassen werden.

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16. März 2005

Wie der Sprecher der Bundesagentur für Arbeit, Ulrich Waschki, heute in der Berliner Zeitung bekannt gab, fehle dem Computerprogramm A2LL eine Funktion, mit der die Leistung für Langzeitarbeitslose gekürzt werden könne. Was er nicht bekannt gab: dem Programm fehlt auch eine Funktion, mit der Arbeitsplätze geschaffen werden können. Glück für die Politiker: nicht sie, sondern die Programmierer sind schuld.

Was tatsächlich tief in den Kellern der Arbeitsagenturen vor sich geht, lesen Sie im Kapitel Porträt: Die Bundesagentur für Arbeit.

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10. März 2005

»Rürup resigniert«
(Titel bei Spiegel Online vom 10. März 2005)

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»Hundt wirft Schröder Wortbruch vor«
(Titel bei Spiegel Online vom 10. März 2005)

Wann wird Schröder Thierse Wortbruch vorwerfen, um den Kreis zu schließen?

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5. März 2005

»Thierse wirft Firmen Wortbruch vor«
(Titel bei Spiegel Online vom 5. März 2005)



(c) Stephan Waldscheidt 2006
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